Jussuf, sei ein braver Asylant und leg den Hörer weg!

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ach, was schwatzten sie sich wieder den Mund fusselig. Diesmal ging es um Handyverträge, die Asylbewerber nicht mehr bezahlen könnten. Die armen Anbieter blieben auf ihren Kosten hocken. Und was müssen Asylanten auch ein Handy haben, Mensch? »Wo habtn ihr den Scheiß schon wieder her?«, habe ich gefragt. Sie hatten es aus dem Radio und tobten weiter.

Quelle: stern.de
Ich argumentierte ein bisschen dagegen, aber es war sinnlos. Sie hatten ihre Meinung und wollten glauben, was sie glauben wollten. Man kann in diesen Zeiten »Argument« und »Vergeblichkeit« synonym benutzen, es würde kaum jemanden auffallen. Ich sagte zunächst so Dinge wie »Die Frage ist doch, welche Gründe machen diese Menschen glauben, einen Handyvertrag haben zu müssen« oder »Zu einem Vertragsabschluss braucht es immer zwei Seiten«. Aber sie mokierten sich nur, weil Asylanten sich von ihrem Steuergeld ein Mobiltelefon zulegten.
   »Hört mal, das klingt so, als müsstet ihr Extravaganzen bezahlen.«
   »Wenn man angeblich so in Not ist, muss man da ein Handy auf fremde Kosten haben?«
   »Wieso, den Vertrag bezahlen sie vermutlich von ihrem monatlichen Sozialgeld. Ein Handy-Bonus ist nicht vorgesehen.«
   Da dämmerte mir, dass die gar keine Ahnung hatten, dass Asylbewerber einen Regelsatz beziehen. Sie glaubten, sie gingen einkaufen und die Kommune bezahlt unbesehen. Können sie es nicht bezahlen davon, hat der Mobilfunkbieter eben Pech. Unternehmerisches Risiko.
   »Und außerdem, seien wir mal nicht so kleinlich, ein Mobiltelefon ist heute kein Luxus mehr.«
   »Aber wenn man doch angeblich so in Not ist. Muss da ein Handy sein?«
   Wie gesagt, Argumente auf eine andere Sichtweise kann man sich sparen.

Aber noch einen, für mich den zentralen Aspekt wollte ich kurz beleuchten. Ich sagte, dass in Asylbewerberheimen oft keine Telefone seien. Manchmal liest man in Zeitungen, dass die wenigen Apparate, die es gibt, nur für Notrufe funktionierten. Oder sie sind defekt und niemand will sie reparieren lassen. Geht ein Telefon, ist es sozusagen dauerbelegt, weil dann jeder telefonieren will. Internet sei auch kein Regelfall. Man müsse es ja so sehen: Die Leute haben ihre Familie zurückgelassen. Die Heimat aufzugeben, vertrieben zu werden, das ist ein Trauma. Wenn man dann nicht mal Kontakt zu den Eltern oder Geschwistern halten könnte, würde man die psychische Belastung nur verschärfen. Und dann kommt ihr und sagt: »Jussuf, vergiss jetzt mal deine Mutter und benimm dich wie ein anständiger Asylant!« Seine Mutter vergessen kann er aber nicht so einfach. Also besorgt er sich eben ein Handy, das er selbstverständlich total überteuert aufgeschwatzt bekommt.

Handyläden sind ja keine Goldgruben mehr; sie kämpfen um jeden Kunden und Euro. Und wenn da eben ein Syrer kommt, der einen Vertrag abschließt, dann ist man nur zu gerne bereit dazu. Soll er doch blechen. Die Provision ist sicher, die monatliche Zahlung, die er sich dann nicht leisten kann, ist dann das Problem des Kunden. Den Typen im Handyladen kümmert das nicht mehr. Das ist die Sache des Konzerns und seine Rechtsabteilung. Es gibt in einigen Städten Vereine, die Asylbewerbern bei Abschluss solcher Verträge helfen, sagte ich. Sie tun das, weil man die Erfahrung machte, dass man Asylbewerber gerne übers Ohr haut.

Alles fruchtete nicht. Es kamen immer dieselben Ausflüchte. Muss man denn ein Handy besitzen, wenn es einem so schlecht geht und lauter solcher Unfug. Es gibt in Deutschland wirklich Neiddebatten. Man neidet dem Habenichts sein Telefon. Erbärmlich. Aber so ist nun mal die deutsche Realität. Es war jedenfalls alles zwecklos. Es gab keine Empathie. Nur Verbitterung. Einer meinte dann, dass die Kommunen schwer belastet würden. Bei ihnen im Ort könne man die Flüchtlinge kaum unterhalten. Asylgegner kommen ja oft mit dem Argument der Unbezahlbarkeit um die Ecke. Dass der Einwurf erst so spät in den Disput geschmissen wurde, bestätigte nur, dass es darum nur am Rande ging.
   »Die Kommunen werden alleine gelassen. Das stimmt schon«, sagte ich. »Aber warum richtet sich deine Wut gegen die Flüchtlinge und nicht gegen die Bundesregierung, die nicht endlich anpackt? Oder gegen die Rüstungsindustrie, die den Exodus anheizte?«
   »Wenn wir doch mal ehrlich sind, dann sind da auch viele Schmarotzer dabei, die nach Deutschland kommen, weil sie ein besseres Leben haben wollen.«
   Aha, da hatten wir also die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Nicht die, die wirklich wahr war, sondern die, die hinter dieser Ablehnung steckte: Vorurteile und  Klischees.
   »Niemand geht weg von Familie und Freunden, nimmt eine Odyssee auf sich, nur um eine eventuelle Aussicht auf ein besseres Leben zu haben.«
   Ich wollte noch so viel dazu sagen, habe ja in den letzten Jahren nicht wenig dazu geschrieben. Aber für was? Lohnte es sich noch zu kämpfen? Die Linke ist in der Defensive.

Wohin ist die Empathie gegangen? Sie fehlt mir so. Mein Umfeld ist wie der Südpol. Ich friere viel. Keine Jacke hilft. Ich weiß, ich habe euch Leser erst kürzlich mit diesem Rechtsruck konfrontiert, den ich täglich am eigenen Leib erfahre. Es tut mir leid, ich will euch nicht langweilen. Aber so sieht es eben aus ...

Hier weiterlesen...

... wenn man trotzdem lacht

Dienstag, 16. Dezember 2014

»So steh ich nun vor deutschen Trümmern
und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
O Tannebaum!

Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre
und käm in dies Brimborium
– bei Deutschen fruchtet keine Lehre –
weiß Gott! ich kehrte wieder um.
Das letzte Brotkorn geht zur Neige.
Die Gasse grölt. Sie schlagen Schaum.
Ich hing sie gern in deine Zweige,
o Tannebaum!

Ich starre in die Knisterkerzen:
Wer ist an all dem Jammer schuld?
Wer warf uns so in Blut und Schmerzen?
Uns Deutsche mit der Lammsgeduld?
Die leiden nicht. Die warten bieder.
Ich träume meinen alten Traum:
Schlag, Volk, den Kastendünkel nieder!
Glaub diesen Burschen nie, nie wieder!
Dann sing du frei die Weihnachtslieder:
O Tannebaum! O Tannebaum!«

Hier weiterlesen...

Der innere Faschismus, der sich Bahn bricht

Montag, 15. Dezember 2014

Obdachlose in Marseille müssen ein gelbes Dreieck zur Kennzeichnung tragen. Polizisten ermorden Schwarze und verabschieden sich als freie Männer ins Wochenende. Die Versammlungsfreiheit soll in Spanien teuer werden. Bürgerwehren in vielen europäischen Ländern »kümmern« sich um Roma. Flüchtlinge liegen am tiefen Grund des Mittelmeeres und patriotische Europäer gehen intellektuell auf Grund. Waterboarding, Analfütterung und Unterkühlung simulieren Mengele und Kollegen. Und über allem steht eine Wirtschaft, die die Demokratie nach und nach als ineffiziente Plauderbude verunglimpft. Ich beginne zu glauben, dass der Faschismus kein abgelegter Begriff aus dem Geschichtsbuch mehr ist.

Er droht. Steht mal wieder stärker als gesellschaftliche Möglichkeit zwischen uns Menschen. Latent tut er es immer. Man ist als Gesellschaft nie davor gefeit. Demokratie will erkämpft sein. Nicht so, dass man alles zur Seite legt und sagt: »Es ist vollbracht!« Das Erreichte ist immer nur eine Momentaufnahme. Ist stets nur ein kurzer Augenblick, der nicht für die Ewigkeit gemacht sein muss. Das sieht man dieser Tage wieder blendend. Die westliche Wertegemeinschaft ist nicht aus dem Schneider. Sie ist gefährdet wie schon lange nicht mehr. Es läuft den Demokratien aus dem Ruder. Die Sachzwänge, die die globale Wirtschaft ihnen vorschiebt, verordnen diese Rückentwicklung quasi. Das spricht die niedersten Instinkte der Masse an.

Denn es ist keineswegs so, dass die »faschistische Tendenz« nur eine Spielart menschlicher Niedertracht ist, an der eine kleine, aus allerlei persönlichen Gründen dazu tendierende Gruppe, chronisch leidet. Die Tausenden von »patriotischen Bürgern«, die mit Neonazis marschieren, beweisen ja, dass nicht nur eine Handvoll Menschen sich dazu hingezogen fühlt. Sie ist auch nicht alleine eine Frage fehlender Moralerziehung oder mangelhafter Bildung. Gerade gebildete Leute liebäugeln ja in vielen Ausformungen mit ihr. Es werden ja wohl nicht nur Hartz-IV-Bezieher und Schulabbrecher bei Pegida mitlaufen. Wir sind mehr oder weniger alle von Denkweisen betroffen, die man als »faschistisches Grundmotiv« oder als »Einstieg in eine faschistische Grundhaltung« bezeichnen könnte. Da darf man sich nichts vormachen.

Jeder leidet darunter. Hier und dort und überall. Der erste Impuls bei zwischenmenschlichen Begegnungen kann oft verheerend sein, wenn man ihm folgt. Man sieht einen exotisch aussehenden Menschen und man kategorisiert ihn. Mancher hantiert mit Klischees. Andere halten ihren Geldbeutel fest. Dieses »Metafaschistische«, es ruht in allen. Es ist der Rohstoff für die Aufwiegler und Totalitaristen. Selbst der Aufgeklärte ist nicht immer ganz frei von diesem Urmotiv. Man kann Farbenblindheit nicht anerziehen. Innere Werte sieht man nicht. Das Aussehen ist immer unser erster Faktor. So ehrlich muss man schon sein. Man hört immer wieder, dass man eine Gesellschaft verwirklicht sehen möchte, in der man Behinderung oder Hautfarbe erst gar nicht mehr wahrnimmt. Ein schöner Gedanke, aber leider völlig weltfremd. Der Mensch ist ein Wahrnehmer. Und Wahrnehmen ist ja in Ordnung - es kommt darauf an, was man aus der Perzeption macht. Die Kunst ist es nämlich nun, sich davon nicht leiten, verführen, reizen zu lassen. Den Affekt gleich wieder in den Griff zu kriegen. Sich innerlich am Riemen zu reißen. Überdenken. Prüfen. Wenn Aufklärung überhaupt etwas bedeutet, dann das Ideal, seine kleinkarierten Ressentiments, seinen Hass, seine Vergeltungssucht, seine Rachegelüste nicht über sich siegen zu lassen. Kurz gesagt, sich dagegenzustemmen, den Faschismus in sich zu kennen und zu dressieren zu verstehen, kann als hohe Kulturleistung anerkannt werden.

Das trifft auf den Einzelnen zu. Aber natürlich auch auf die Summe aller Einzelner. Auf die Gesellschaft. Der historische Faschismus ist etwas, das nicht einfach mal in die Welt kam, sondern der war, weil es im Menschen steckte. Der Mensch kleidet sich heute anders, aber er hat sich in seiner »inneren Konstitution« nicht verändert. Der historische Faschismus bahnte sich seinen Weg, weil moralische Autoritäten und Instanzen wegbrachen, weil ein ethischer Nihilismus im Raum stand, gespeist aus dem Verlust von Milieus, Frontsoldatenerfahrungen und der Erkenntnis, dass die Ordnung des letzten Jahrhunderts endgültig flöten gegangen ist. Das dem Menschen immanente »faschistische Grundmotiv« spült sich in Zeiten der Orientierungslosigkeit an die Oberfläche. Denn Orientierung zu haben, ist auch so ein Kulturaspekt, ein künstlich geschaffenes Gerüst, das der Wut, der Rachsucht, dem Hass und der Gewaltbereitschaft nur sehr wenig Ansatzpunkte erlaubt. Wenn aber dieses Konstrukt wegfällt, nichts mehr bleibt, an dem man sich orientieren kann, alle ratlos, verirrt oder alternativlos scheinen, dann bricht durch, was in uns allen steckt.

Quelle: Stuttmann
Stabilisatoren wie Arbeit, Wohlstand, Familienglück sind ins Wanken geraten. Nicht alle werden deswegen Wochenendrassisten. Nichts ist alternativlos. Die einen haben ihren Verein, die anderen ihre Kirche. Und wieder andere den Trost der Philosophie. Die Schriften von Kant oder Rousseau, von Marx oder Adorno, Marcuse oder Arendt, sind gewissermaßen auch Orientierungshilfen. Sie brechen einem nicht so leicht weg. Und so geben sie Stabilität. Das klingt jetzt sehr verkopft. Aber man muss ja auch nicht verlangen, dass jeder sie gelesen haben sollte. Den Geist der Humanität, den sie vermitteln, den kann man auch nachvollziehen, ohne in ihre Schriften eintauchen zu müssen. Dass es ein Zeitalter gab, in dem es auch um die Bedürfnisse der Menschen ging, hat ja auch mit ihnen zu tun. Mit dem Bewusstsein von Gesellschaft, das sie uns als Erbe hinterließen. Noch schimmert diese Humanität durch. Man hat sie noch im Kopf. Aber sie gerät in Vergessenheit. Und das, obwohl man beständig von den Werten der Europäer salbadert. Verständnis, Verstehenwollen, Empathie und Courage sind die Werte, liebe Europäer! Was habt ihr gemeint? Hexenhammer und »Deus lo vult«? Inquisition und Zigeunerjagd? Stigmatisierung und Pranger?

Der historische Faschismus speiste sich ja aus vielen dieser »althergebrachten Werte«. Und er hasste all die liberalen Werte, die die Aufklärung vertrat, weil die diese »urfaschistischen Grundpfeiler« leugnete und bekämpfte, als irrationale Affekte einer in geistiger Umnachtung und Agonie befindlichen Masse definierte. Die Aufklärer waren nur etwas zu optimistisch. Sie dachten, wenn die Menschen erst gebildet seien, dann seien diese »inneren Teufel« alleweil gebannt. Dann würden die Menschen ihre wahren Unterdrücker erkennen. Kriegt man dieses dumpfe Gefühl nicht aus den Menschen? Kanalisieren scheint man es zu können. Nicht hundertprozentig. Aber gut genug, dass es immer wieder von der Oberfläche verschwindet, keine Massenbewegung wird. Und genau die scheint sich jetzt zu formieren. Die Wut auf Sozialabbau, Lauschangriffe, Bevormundung und Überkontrolle sucht sich Opfer, die leicht zu greifen sind. Die Unterdrücker sind es im Regelfall nicht. Randgruppen schon. Sich jetzt gesellschaftlich am Riemen zu reißen, innehalten, nachdenken und dann von diesem Wahnsinn ablassen, um mit Courage gegen die auftreten, die den Laden an die Wand fahren: Leute, das ist eine Kulturleistung. Habet den Mut, ein bisschen Kultur zu leisten!

Die oben gemachten Ausführungen sind keine Entschuldigung dieser »Refaschisierung«. Nur eine Erklärung. Die Entwicklung aber ist unentschuldbar. Man wird es dieser Generation nie verzeihen, dass sie die Tendenzen nicht erkannt hat. Und das, obgleich es Präzedenzfälle in vielen Ländern gab. Aber aus der Geschichte lernt man nicht. Man vereinfacht sie, filtert einen Gedenkkult heraus und vergisst irgendwann, um was der ganze Zinnober betrieben wird. Es wird der Tag kommen, da man der Shoa gedenkt und die wenigsten wissen, was es damit auf sich hat. So wie wir heute alle geschlossen Ostern feiern und die Hälfte keine Ahnung hat, woher der Feiertag ursprünglich stammt und welche Bedeutung dahinter steckt.

Dass sie alle an Gedenken und an Rückblicken teilhaben, hin und wieder auf Ereignisse rückbesinnen, die in der Epoche des Faschismus geschehen sind, ist also kein Beweis dafür, dass faschistische Tendenzen heute ausgemerzt sind. »Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Nein, er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus«, soll der italienische Sozialist Silone angeblich mal bemerkt haben. Wahrscheinlich schob man ihm dieses Aperçu unter. Aber es passt so schön auf unsere Zeit.

Hier weiterlesen...

Kein Held, was er verspricht

Samstag, 13. Dezember 2014

Letztens sagte mir einer, »Die Frau war ne Heldin«. Ich wollte sein Empfinden nicht beleidigen und antwortete ihm nur, dass ich mit dem Begriff nichts anfangen könne. Dann ging ich weg. Solche Gespräche führen nur zu Zerwürfnissen, die unnötig sind.

Am gleichen Abend lauschte ich den Nachrichten im Radio. Es ging um den alternativen Nobelpreis. Snowden sprach. Manche behaupteten, er sei ein Held, erzählte er, aber der Begriff sei ihm völlig fremd. Er halte es für problematisch, wenn man Menschen zu Helden stilisiert. Manche Taten können zwar heldenhaft sein, aber der gesamte Mensch ist deswegen noch kein Held. Er hat mich sofort überzeugt. Was nicht schwer war, denn das, was ich über ihn gelesen hatte, war nicht nur chic. Der Mann gefiel mir von jeher nicht zur Gänze. Er hat zwar eine zweifellos mutige und heldenhafte Tat begangen - aber dass er in seinem früheren Leben (und auch noch jetzt?) ein Anhänger des Waffenbesitzes war und den Sozialstaat verachtete, ist in meinen Augen nicht besonders verehrungswürdig. Ein Held von Kopf bis Fuß ist er also nicht.

Ich kann mir ohnehin nicht vorstellen, dass ein Held sich den Arsch abwischt. Superman kackt nicht. Batman sitzt nicht mit Tageszeitung auf dem Scheißhaus und schabt sich die Öffnung sauber. Captain America sitzt im Einsatz nicht mal auf Stühlen, wie kann er dann Stuhlgang haben? Undenkbar! Menschen müssen das aber tun. Sollten sie. Das gehört zur Erziehung. Wer jedenfalls was auf sich hält, der tut es. Und weil dem so ist, kann kein Mensch ein Held sein. Heldenhaft ja, denn »heldenhaft« sagte ja: Dass eine beschränkte Handlung »wie ein Held« getätigt wurde. Und zwischen »wie etwas sein« und »sein« ist halt doch ein kleiner Unterschied.

Es gibt ein unstillbares Bedürfnis der Menschen nach Helden. In gewisser Weise ist es eine Suche nach der Reinheit. Manche kommen nie an den Punkt, an dem sie sich sagen, dass es eine solche Reinheit unter Menschen gar nicht gibt. Sie bewahren sich die Naivität, weiter an reine Wasser zu glauben. Aber jeder hat Fehler. Manche bestehen nur aus solchen. Andere verbergen sie hinter einer Tat, die man für höchst lobenswert erachtet. Man sollte das honorieren. Aber auf dem Teppich bleiben. Ich persönlich habe den Hype um Snowden nie richtig begriffen. Seine Offenlegungen schon. Die waren weittragend. Aber seine Person war für mir schlicht eine Person. Oh, ich war schon angetan von seinem Mut. Ich würde ihm auch Asyl gewähren. Aber eine unantastbare Instanz ist er nicht. Der Mann wischt sich auch den Arsch ab. Hoffentlich.

Die Heldin, von der mein Gesprächspartner sprach, die hatte er aus der Zeitung. Dort haben sie sie zu einer gemacht. Vielleicht war ihr Auftreten heldenhaft. Vielleicht. Ich bin Skeptiker. Weiche Indikatoren für eine Tendenz sind für mich keine harten Fakten. Nehmen wir an, sie ging dazwischen. Machte Zivilcourage. Dann war es mutig, pathetischer gesagt war es auch heldenhaft. Mehr nicht. Wahrscheinlich hatte auch diese Frau viele Fehler. Vielleicht zeigte sie viele der Affekte, die heute so die Gesellschaft bestimmen. Dinge wie Todesstrafenlaune, Gewaltbefürwortung oder Klassismus. Egal. Ich will niemanden was andichten. Auch kein Heldentum.

Hier weiterlesen...

Dem würde ich die Eier abschneiden ...

Freitag, 12. Dezember 2014

Wir standen alle rum. Sechs, sieben Leute. Die Mehrzahl unterhielt sich über Staubsauger oder Waschmaschinen. Vielleicht waren es auch nur Bügeleisen. So genau habe ich nicht zugehört. Ich hörte aber genug, um zu wissen, dass das nicht mein Ding war. Mich langweilte es und so schwieg ich. Irgendwie landeten sie dann bei Sexualstraftätern. Immer wieder überraschend, wie man von Plätzchenbacken auf den Weltuntergang kommen kann. Oder vom Picknick zum Aussterben der Deutschen. Entweder ist der Mensch so genial, dass er aus einer Mücke einen Elefanten destilliert oder er ist einfach nur zu dämlich, um einen roten Faden zu halten. Sucht es euch aus. Ich hörte nur noch Wüten, die Diskussion emotionalisierte sich. Und einer sagte dann, er würde einem solchen Schwein, das Kinder missbraucht, die Eier abschneiden. »Genau!«, pflichtete ihm jemand energisch zu. Er hatte offenbar das richtige Gefühl gefunden. Eine Handvoll abgeschnittener Eier waren das Gebot der Stunde. Sie nannten es nur »Gerechtigkeit«. Das klingt weihnachtlicher.

Waschmaschinen sind öde. Abgeschnittene Eier interessieren mich da schon eher. Oder sagen wir mal so: Mich interessiert, wie einer dazu kommen will, einem anderen die Genitalien zu verstümmeln. Da muss was schieflaufen. Keiner kommt als Hodenhenker zur Welt.
   »Aaaahhhh«, fiel ich ihnen ins Wort.
   Laut und deutlich. Und vorallem angewidert. Es war ein langgezogenes Ah, das leicht nach einem Bäh klang; eines, wie man es ausstößt, wenn man versehentlich von jemanden angekotzt wird.
   »Na, ist doch so. So einer hat nichts anderes verdient.«
   »Das ist Mittelalter und hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.«
   »Es geht darum, dass er das nie wieder machen soll. Also Schwanz ab und gut.«

Gerade waren es noch die Testikel. Für manche Menschen besteht zwischen Hoden und Penis kein Unterschied. Und zwischen Gerechtigkeit und Verstümmelung auch nicht. Das ist das Problem, wenn sich viele verschiedene Worte für jemanden gleich anhören.
   »Es gibt doch Gesetze, Sicherheitsverwahrung, Therapien. Es ist nicht so, dass wir als Gesellschaft dem völlig hilflos ausgesetzt wären.«
   »Ich kenne einen, der kam wieder frei und hat dann vergewaltigt«, rief jetzt die Blonde aus dem Hintergrund. Sie schien sehr erregt.
   »Kann sein. Aber das ist kein Beweis. Nehmt mal die Emotion raus und bleibt sachlich.«
   Das hat man bei diesem Diskussionen auch oft. Sie sprechen von Vergewaltigungen an Frauen und den Missbrauch von Kindern so, als wäre es dieselbe Klientel von Sexualtätern, die das tut. Differenziertheit ist die Sache solcher Gespräche nie.
   »Wenn das deinem Kind passiert wäre!«, rief einer in die Runde.
   Wusste er so sicher, dass es das nicht ist? Das gehörte nicht dorthin, also sagte ich nichts. Das gehört auch nicht hierher, also weiter im Text.
   »Glaubt ihr, dass es für einen selbst als Elternteil und für das eigene Kind förderlich ist, wenn man Hass kultiviert und brachiale Strafen möchte? Glaubst du, dass das irgendjemanden hilft? Tut mir leid, da liegt ihr beide falsch.«
   Jetzt schrien sie alle durcheinander. Auch die, die bislang geschwiegen haben. Sie trieben mich in die Enge, stellten mich wie einen Unmenschen hin, wie einen Träumer und Besserwisser, der ihre geordnete Welt ins Wanken bringt.
   Ich schüttelte nur den Kopf und sagte, dass das alles auch meinen Verstand und mein sittliches Bestreben beleidige, was sich hier gerade abspiele. Da wurden sie nur noch lauter und dann ebbte es ab und sie sprachen nicht mehr mit mir.

Ihre kalten Blicke spürte ich noch einige Tage danach. Wahrscheinlich dachten sie, ich sei ein schlechter Vater, weil ich nicht dazu bereit bin, Menschen zu verstümmeln. Ich sehe es hingegen ganz anders. Jeder, der eine solche Gesellschaft will, würde seinen Kindern eine Welt hinterlassen, in der es von plumpen Rachegefühlen und ordinärer Lynchjustiz nur so wimmelt. Gute Eltern wollen das aber sicherlich nicht.

Sie wähnen sich halt alle in einer Tätergesellschaft, in der Opfer immer verlieren und Täter diabolisch lachen. Und dann komme ich und behaupte, dass es nicht ganz so ist. Es läuft sicher nicht alles glatt, aber so drastisch dürfte es dann wohl doch nicht sein. Opfer von Sexualstraftaten stehen dann doch nicht völlig alleine da. Aber die Leute erliegen dem rechten Populismus, der sagt, dass Vergewaltiger und Pädophile eine Lobby hätten, während man Opfer zu Tätern mache. Zur Todesstrafe ist es dann bloß noch ein kleiner Schritt. Und die scheint als Option derzeit wieder recht beliebt zu sein, was man so liest. Die Agitation der Menschenfischer von der rechten Seite wirkt.

Neulich kam mein Kind heim. Es erzählte, sie hätten in Ethik über Menschenrechte gesprochen. Ein Mitschüler habe im Unterricht gesagt, dass die Menschen, die sich nichts zu Schulden kommen lassen, bestimmte Rechte als Menschen hätten. Mein Kind meldete sich und sagte, dass es doch Menschenrechte seien und alle Menschen welche hätten. Auch Mörder und so, oder etwa nicht? Manchmal überrascht mich mein Teenager ja auch positiv. Die Lehrerin wollte allerdings nicht so richtig beipflichten. Sie murrte, wackelte mit dem Kopf und überging den Einwurf. Sie sagte sicher auch nichts dagegen. Als Vater hätte ich mir aber gewünscht, dass sie Stellung bezieht. Für die Menschenrechte, die jedem Menschen zukommen. Jemand mag eine Strafe büssen, aber gewisse Rechte sind unveräußerlich. Die Unantastbarkeit der Hoden zum Beispiel. Tja, sie sagte nichts. Lehrer. Die trugen fast immer schon einen reaktionären Zug in sich. An der Deinstallation des ersten deutschen Demokratieversuches, hat die Lehrerschaft maßgeblich mitgewirkt. Aber ich will niemanden etwas unterstellen. Wir sind heute doch alle antifaschistisch, oder etwa nicht?

Alle Menschen sind gleich. Schwarze und Weiße. Juden und Christen. Das hört man heute oft. Aber man interpretiert Abstufungen hinein, die es gar nicht geben dürfte. Der Kriminelle ist zum Beispiel nicht ganz so gleich. Und der Sexualstraftäter verwirkt alles. Nicht umsonst sagen viele, dass das kein Mensch mehr sei. Til Schweiger sagte mal öffentlich, er wolle all diesen Typen die Menschenrechte aberkennen. Er erhielt Applaus. Man kann heute als Mensch gegen Menschenrechte sein und alle finden etwas Sinnvolles daran. Ich finde allerdings, dass man am Umgang mit solchen Menschen erkennt, wie eine Gesellschaft denkt und fühlt. Ist sie noch bereit, an den Werten einer Welt festzuhalten, in der auch die, die sich disqualifiziert haben, ein Mindestmaß an menschlichen Respekt erhalten. Das heißt ja nicht, dass sie straffrei ausgehen. Aber an ihrem Menschsein darf kein Zweifel herrschen. Tut es das aber, dann stimmt da etwas nicht mehr, dann orientiert sich die Gesellschaft um, gleitet ab und wickelt ab, was als Errungenschaft schon mal gültig war.

Worauf ich eigentlich hinauswill: Der Rechtsruck manifestiert sich nicht nur am Rassismus und an Wahlerfolgen konservativer Parteien. Rechtsruck ist mitnichten nur, dass man ausländerfeindlicher wird und Diskriminierung akzeptiert. Man erkennt ihn vorallem daran, wie feindlich man den Ideen der Aufklärung und der Unveräußerlichkeit von existenziellen Garantien gegenübersteht. Ob man Verbrechen verstehen will, um daraus zu lernen oder ob man sie auf den Scheiterhaufen stellen will. Man ist nicht nur als Ausländerhasser ein Rechter. Auch als jemand, der Leute auf die Streckbank legen will und in den Kerker werfen möchte, reitet man sich ins rechte Spektrum hinein. Kein Zweifel, die Reaktion wirkt. Wir sind dabei, unsere gesellschaftliche Mitte rechts zu finden.

Hier weiterlesen...

Ich will nicht glauben, dass Malcolm X richtig lag ...

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Es schien geschafft. Ein Schwarzer wurde US-Präsident. Dann ermordeten Polizisten Michael Brown und Eric Garner und kamen damit durch. Martin Luther Kings Traum ist noch immer ein Schlaferlebnis und nicht mehr. Der »Cosbyismus« hat sich als bequeme Autosuggestion erwiesen.

Ich erinnere mich an eine Folge der »Cosby Show«. Die Serienfamilie Huxtable sitzt – wie so oft - im Wohnzimmer. Sie hat Gäste. Die Alten erzählen den Jungen von Dr. King und dem Marsch auf Washington und was seine berühmte Rede für einen Einfluss auf die Schwarzen im Lande hatte. Dass die jungen Schwarzen jetzt so leben könnten, wie die Huxtable-Kinder, sei die Folge dieser bewegenden Zeit, an der die Altvorderen teilgenommen hatten. Ich war noch recht jung und das war mein erster Kontakt mit Martin Luther King und der Bürgerrechtsbewegung.

Hier weiterlesen...

Zu Ohren gekommen

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Jüngst lauschte ich einem Feature über späte Scheidungen. Die würden jetzt immer häufiger vorkommen. Ehepartner trennten sich demnach auch mal nach zwanzig Jahren Ehe. Dann sind beide so um die 50 und immer noch jung genug, um nochmals »durchzustarten«. Dieses Komposition hört man jetzt oft. Wenn etwas vorbei ist, startet man heute durch. Für mich ist das ein Scripted Reality-Wort. Wenn man mal durch das Nachmittagsprogramm der Privaten zappt und das Ende eines solchen Machwerks flankiert, dann wird dort nach erlebten Abenteuer immer neu durchgestartet.

Durchstarten. Nicht einfach nur starten, nein - hindurch, auf der anderen Seite wieder heraus, »den Teil dazwischen« durchschreiten. Wenn jemand nach einer Sache sagt, jetzt wolle er neu durchstarten, denke ich immer an »nicht zurückschauen« oder »Augen zu und durch«, ein bisschen auch an »nach mir die Sintflut«. Dieses Wort hat was von Verdrängung, von bewusster Vergessenmachung. Eine Beziehung ist zu Ende und man startet neu durch. Eine miese Arbeitsplatzerfahrung ist vorbei und man hofft, bald neu durchstarten zu können. Man streift gewissermaßen ab, was sich an Eindrücken manifestiert hat. Der moderne Mensch tritt sprachlich von seiner Empirie zurück und wird ein selbstvergessener Durchstarter, einer, der seinen Neuanfang nicht bedacht angeht, sondern gleich volle Pulle, denn er startet ja nicht bloß, er startet durch, mit den Kopf durch die Wand, mit der Tür ins Haus, mit einen Elefanten in die Porzellanfachhandlung.

Nicht links, nichts rechts gucken. Schon gar nicht zurück. Der Durchstarter putzt sich ab, macht nicht einfach nur weiter, er schließt ab. Er hat keine Herkunft mehr, brennt sich Erfahrungen aus und tut so, als könne man das eigene Leben in abgeschlossene Bereiche betrachten und nicht als eine lose Ansammlung von ineinandergreifenden Abschnitten. Die Phrase hat etwas Dementes, ja auch etwas Aktionistisches. Es ist ein Wort des Zeitgeistes. Präfixiert, wie man das heute gerne hat. »Starten« alleine reicht da nicht mehr; das ist Achtzigerjahresprech. Heute lacht ja auch keiner mehr, heute geht man zum Ablachen. Das hat was von Pleonasmus, von überflüssiger Vorsilbe wie beim Wort »aufoktroyieren«. Und es spiegelt vorallem die Vorstellung wider, dass im Neuen immer der völlige Abschluss mit dem Alten liegt. Aber exakt so funktioniert das Leben ja nicht. Wer in einer neuen Beziehung »durchstartet«, hat immer noch die Erfahrungen der alten Beziehung an der Backe. Das ist auch nicht schlimm, denn das macht den menschlichen Reifeprozess ja aus.

Durchstarten von Null auf Platz eins. Das kennt man aus den Charts. Vielleicht hat man es ja aus dieser Sparte. Als Sinnbild für die Prozesse des Alltags taugt es wenig. Leben ist kein Ranking, keine Rangliste. Mancher Hit klingt verheißungsvoll, aber für eine Platzierung vorne reicht es trotzdem nicht. Und wer durchstartet, der fällt garantiert wieder ab. Kein Nummer-Eins-Hit ist für immer. Für die Fake-Shows im Nachmittagsprogramm ist die Phrase natürlich besonders geeignet. Sie beschwört Einfachheit und gibt den lauen Geschichtchen einen Abschluss. Menschen haben das gerne. Aber im Leben schließt man nie ab, deshalb ist der Durchstart ein eher dümmliches Modewort einer Zeit, die Vergangenheit für einen Zeitraum hält, den man durchaus vergessen darf.

Hier weiterlesen...

Rechnung wird zugestellt

Dienstag, 9. Dezember 2014

Dieses »neue deutsche Selbstbewusstsein« wird kein konsequenzloses Zwischenspiel sein.

Es ist erstaunlich, mit welcher Verve die Medien aufarbeiten wollen, wie junge Menschen dem Salafismus zugetrieben werden. Wie konnte es nur so weit kommen, dass diese Leute nur noch hassen?, fragen sie sich. Weitaus weniger Aufwand betrieb man mit den rechten Terroristen, die »Döner-Morde« begingen. Zuerst verschleierte man mit tendenzieller Berichterstattung die wahren Hintergründe. Danach las man viel über den Prozess und ihre Taten. Wie sie aber wurden, was sie waren, hat eher nicht interessiert. Bundesrepublik, dieses Trio und all die Helfer, die Befürworter und Mitwisser, das waren und sind deine Salafisten! Und wenn du verstehst, wie sie so werden konnten, dann überdenke dich selbst.

Spiegel, 37/1991
Ein Rückblick im Zeitraffer: Deutschland brennt während und nach der Wendezeit. Das Boot ist mal wieder voll. Zu viele Ausländer kommen angeblich ins Land. Zwischen 1990 und 1992 stürmen Skinheads Asylbewerberheime in der ganzen Republik. Die Union hat gewissermaßen Verständnis. Sie kann den Beifall des Mobs nachvollziehen. Es mag zwar nicht die feine Art sein, aber man erntet ja nur, was der linke Zeitgeist mit seiner Asylpolitik und seinem Multikulti versaut hat. Die Verantwortungslosigkeit der Konservativen ist erschreckend. Volker Rühe schreibt seine Kollegen an, sie sollten doch mal in den Länderparlamenten nachfragen, ob »Asylbewerber in Hotels oder Pensionen untergebracht« wurden und »zu welchen Kosten« und nimmt in Kauf, dass Öl ins Feuer gegossen wird. Ferner sollen laut Rühe die Ortverbände nach Fällen Ausschau halten, bei »denen Asylbewerber staatliche Leistungen unberechtigterweise« erhalten. Er trägt damit zum Klischee des kriminellen Ausländers bei und strukturiert die Hetze.

Kohl lädt zum Kanzlergespräch und will die Änderung des Asylparagraphen, eine Drittstaatenregelung, die Deutschland eine Pufferzone verspricht. Rühe macht wieder deutlich, was er von den Sozialdemokraten fordert: »Wenn sich die SPD [...] verweigert, ist jeder Asylant nach diesem Tag ein SPD-Asylant.« Golo Mann, selbst Sohn eines Flüchtlings, sieht es ähnlich und diktiert nach der Ausländerjagd von Hoyerswerda der »Welt am Sonntag«: »Bei weitem das Beste wäre es, die Grenzen derart zu schützen, dass sie gar nicht erst kommen können.« Die Mauer war gerade erst gefallen, doch schon will Mann eine neue. Wie der Justizminister von Mecklenburg-Vorpommern (CDU). Der glaubt nämlich auch, dass eine neue Mauer notwendig werde, denn »was uns überschwemmen wird, geht bis in die Türkei«. Und Arnulf Baring sagt der »Bild«, dass »selbst die Asylgewährung nicht das Recht auf eine Sozialhilfe einschließe, wie sie Deutschen zustehe«.

Währenddessen wüten die rechten Schläger weiter. Ausländer kommen zu Tode. Der Aufschrei erfolgt leise. Die »Bild« meldet: »Fast jede Minute ein neuer Asylant.« Mehr Sorgen bereitet das Boot, das nicht absaufen soll. Ein NPD-Mann sagt vor laufender Kamera, dass er »mit diesen Händen [...] die Gashähne wieder aufdrehen« werde. Diese Aussage ist jedoch kein Imageschaden. Die Rechten ziehen in jenen Jahren in einige Landtage ein. Auch im Westen des Landes. Sie haben Oberwasser. Ein Mordprozess gegen eine Gruppe Skinheads, die einen Kosovo-Albaner erschlugen, dokumentiert die Stimmungslage. Der Mann lebte über 20 Jahre in der Bundesrepublik. Der »Spiegel« zitiert einen Zeugen: »Sie haben eigentlich das gemacht, was alle denken. Gegen Scheinasylanten ist doch jeder. Das ist doch ganz normal.« Dasselbe Magazin berichtet, dass 34 Prozent aller Bundesbürger Verständnis für rechtsradikale Tendenzen haben.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Karl Krause greift in einem Papier Ausländer an. Es geht ihm um »rumänische Zigeuner« und »kriminelle Polen«. Er behauptet, dass in Deutschland »kriminellen Asylbetrügern mehr Herzenswärme entgegengebracht wird als den eigenen deutschen Volksgenossen.« Verurteile Ausländer sollten »harte Arbeit zum Wohle der deutschen Gemeinschaft« leisten - und zwar im »Straßenbau, Wegebau auf dem Lande, Arbeit in den Forsten, Gräben- und Kanalbau«. Er spricht sich für eine Querfront zwischen konservativen und rechtsextremen Parteien aus. Letzte würden lediglich »von der linken Presse-Mafia als rechtsextrem verunglimpft«. In Wirklichkeit gingen diese Parteien »mehr auf die Verfassung ein als die etablierten Parteien.« Er schreibt das im Februar 1992. Ein halbes Jahr später brennt in Rostock-Lichtenhagen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. Zuschauer jubeln und recken die Hand zum Hitlergruß. Die Polizei ist überfordert. Auf TV-Bildern sind Beamte zu sehen, die offen sympathisieren.

»Es ist viel Abschaum an Kriminalität in die Stadt gekommen, von China, über Russland, Rumänien und so weiter«, sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU im Abgeordnetenhaus. Er spricht von Ratten und Gesindel und Verwahrlosung. Er klingt wie einer dieser Neonazis und trifft den Nerv der Zeit. Und wer sich zusammenreißt und nicht so klingt, der verharmlost und tut so, als handle es sich um leicht verstörte Spielkinder. So wie der Rostocker CDU-Bürgermeister, der nach dem Pogrom sagt: »Es ist völlig klar, dass hier unkontrolliert große Mengen an ausländischen Leuten zu uns gekommen sind. Das sind Leute mit Lebensgewohnheiten, die man auch nicht einfach umkrempeln kann, die aber auch nicht unbedingt die Zustimmung der Anwohner haben.« Der Fraktionsvorsitzende der CDU aus Mecklenburg-Vorpommern schließt sich ihm an. Denn dass die Ausländer »unsere Sitten und Gebräuche nicht kennen und vielleicht gar nicht kennen wollen, stört die Befindlichkeit unserer Bürger.«

Kohl mischt sich ein. Er ergreift aber nicht Partei für die Opfer rechter Übergriffe. »Die Grenze der Belastbarkeit ist überschritten [...] Wenn jetzt nicht gehandelt wird, stehen wir vor der Gefahr einer tiefgreifenden Vertrauenskrise gegenüber unserem Staat, ich sage mit Bedacht: ja, eines Staatsnotstandes.« Handeln heißt Änderung des Asylparagraphen. Nicht der Neonazi muss lernen, dass die Welt sich verändert hat, er bekommt eine Welt verwirklicht, die so rein ist, wie er sie sich wünscht. So könnte man die Logik der Konservativen aus jenen Tagen zusammenfassen.

Und es brennt weiter. Menschen sterben in Flammen. Drei Tage nach dem Brandanschlag in Mölln hofiert Gottschalk den Vorsitzenden der Republikaner in seiner »Late Night«. Und kapitulierte, wie der »Spiegel« feststellt. Einige Monate später ein ähnlicher Fall in Solingen. Wieder Tote. Nicht nur der Osten versinkt also im rechten Sumpf. Im Westen grölen auch die Schaulustigen. Viele geben sich zwar empört, verstehen aber doch gut, wie es dazu kommen konnte. Ein Polizist sagt der »FAZ«, dass man »betrunkene Jugendliche nicht zu Skinhead-Banden hochstilisieren« dürfe. Der Berliner Innensenator Lummer (CDU) spricht sich offen gegen »eine Utopie einer multikulturellen Gesellschaft« aus. Man unterstelle Deutschen »völlig zu Unrecht Ausländerfeindlichkeiten«. Den Beifall für die Schläger und Mörder will er nicht sehen. Der Bundeskanzler sorgt sich nach Solingen erneut. Jetzt sei Aufklärungsarbeit notwendig, »um den Anschein neonazistischer Gefahr in Deutschland entgegenzutreten«. Seit der Wiedervereinigung vor zweieinhalb Jahren gab es mindestens 26 Todesopfer rechter Gewalt. Aber der Kanzler spricht weiterhin vom Anschein einer solchen Gefahr. Als sei nichts gewesen ...

In diesem Klima reiften Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt. Es waren die Jahre ihrer Sozialisation. Reifejahre. Damals statteten sich die Deutschen mit einem neuen Selbstbewusstsein vor der Welt aus. Ein bisschen so wie heute, wo man auch jemand sein möchte und ein neues Sendungs- und Selbstbewusstsein kultiviert. Die drei Terroristen waren Kinder dieser Ära. Von ihr haben sie sich nie erholt. Dort lag der Keim ihrer Radikalisierung. Die Menge, die klatschte, die keinerlei Mitgefühl zeigte, die rassistische Thesen mit Anerkennung zollte - all das hat sie geprägt. Ihre Taten legitimierten sie mit den Empfindungen jener Tage. Die spätere NSU ist nicht denkbar ohne diese Zeit, die man heute gerne wegwischt, als sei sie ein Zwischenspiel ohne nennenswerte Konsequenzen gewesen. Doch die Konsequenz aus dieser Zeit ermordete später mehrere türkische Kleinunternehmer.

Zschäpe, Mundlos & der spätere
NPD-Chef Apfel auf einer
Neonazi-Demo, 1996
Die NSU mag heute tot sein. Aber Wiedergänger sind bei diesem aktuellen Klima nicht ausgeschlossen. Rassismus wird bejubelt und verkauft Bestseller. Man zieht über Roma her und fürchtet sich vor Überfremdung und bulgarischen Sozialbetrügern. »Wie viele Ausländer verträgt Deutschland?«, fragt man. Sonntag nach dem Mittagessen sorgt sich ein TV-Theologe, wann das Boot wohl zu voll sei. Man kann doch über alles reden, nicht wahr? Die europäische Freizügigkeit wird zurückgedreht und man findet es richtig. Die feinen Neonazis aus der gesellschaftlichen Mitte bekommen Foren und werden gewählt. Ja, diese Tage gleichen jenen Jahren von damals. Wieviele perspektivlose Jugendliche werden heute sozialisiert? Junge Menschen, die sich als Verlierer fühlen und ihren Minderwertigkeitskomplex Türken oder Arabern in die Schuhe schieben. Die den Fernseher einschalten und hören, wie das Boot schon wieder zu voll ist. Die in der Trinkhalle um die Ecke lauschen, wie Erwachsene über die Scheinasylanten herziehen oder behaupten, dass ein kleiner Führer notwendig wäre. Die konservativen Politikern von Schwarz bis Rot dabei zuhören, wie sich diese in rassistischen Untertönen verirren.

All das weist diesen jungen Menschen den Weg. Gibt die Richtung vor. Der rechtsextreme Terror ist nicht vom Tisch. Diese Gesellschaft »verhandelt« über ihn. Unbewusst. Die aktuelle Lage zieht neue Mörder heran. Beate sitzt im Knast, die beiden Uwes sind tot. Der Preis für die wilden Jahre nach der Wende ist bezahlt. Er war hoch. Wann bezahlen wir den Preis für heute? Wie teuer mag es werden? Wir sollten nicht glauben, dass diese Stimmung, die pogromartige Atmosphäre gegen Roma und die Abkehr von Europa ein konsequenzloses Zwischenspiel bleibt. Das haben wir schon mal geglaubt. Die Geheimdienste haben brav entwarnt und die Polizei die Augen verschlossen und wir haben uns mit der Vorstellung eingerichtet, dass es keinen rechten Terror mehr gibt. Wir glaubten es überwunden zu haben. Wie heute. Die Rechnung stellt man uns noch zu.

Hier weiterlesen...

Im Postschröderianismus

Montag, 8. Dezember 2014

oder Die Folgen der Basta-Politik.

Mitgliedervoten und Parteibeschlüsse sind in der SPD gegenwärtig hoch im Kurs. Man scheut die Rücksprache mit der Basis nicht mehr, wie noch in Zeiten der Basta-Despotie Schröders. Leider ist das aber kein Anzeichen einer nachhaltigen Demokratisierung politischer Entscheidungen. Eher die Einsicht, dass man sich auf die postschröderianischen Mitglieder verlassen kann.

Endlich hat sich wieder etwas wie demokratische Grundhaltung in die deutsche Sozialdemokratie eingeschlichen. Zwar sagt der Parteivorsitzende »Basta!« im Bezug auf CETA und TTIP, aber ohne Parteibeschluss wird es dann wohl doch nicht abgehen. Das hat er versichert. Die Sozis machen zehn Jahre nach Schröder wenig, ohne vorher nach dem Rückhalt in der Partei oder an der Basis gefragt zu haben. Man denke nur mal an das Mitgliedervotum zur Großen Koalition. Als neutraler Beobachter möchte man da fast schwärmen, dass die Parteispitze aus der Zeit der Basta-Despotie gelernt hat. Damals hat sie die Parteimitglieder schamlos von oben herab erpresst. Jetzt fragt sie vorher an, Alleingänge sind nicht mehr in Mode. Mitsprache ist wieder progressiv.

Ich persönlich glaube tatsächlich, dass die SPD dazugelernt hat. Nur vielleicht nicht ganz so, wie man das oberflächlich betrachtet meinen könnte. Es geht nicht um Re-Demokratisierung. Man hat einfach nur erkannt, dass der freie Wille der Parteimitglieder durch Schröders Wüten so gelitten hat, dass »der Sozi« alles unterzeichnet, was man ihm in einiger Dringlichkeit unterschiebt. Die ganze Basta-Masche ist gar nicht mehr notwendig. Man hat ja mittlerweile domestizierte Selbstentscheider. Der Mann kam ja auch wie eine Naturgewalt über die Partei und höhlte die Überreste der alten Sozialdemokratie aus. Er hat sie abgerichtet, den Willen gebrochen und an seiner Stelle irgendein komisches Gefühl des Gruppenzwangs gesetzt, das keinen Raum für Entscheidungen lässt, sie sich arg von den Interessen der Parteispitze abheben. Diese Partei ist nachhaltig eingeschüchtert. In den Schröder-Jahren haben die Sozis ihre politische Autonomie abgegeben und als Ersatz diesen Typen erhalten, der mit Maschmeyer und »Bild« regierte. Als er dann weg war, hatten sie gar nichts mehr. Parteilinke waren gebrochen oder mürbe und die Genossen waren Wachs.

Das Mitgliedervotum vor einem Jahr war ein blendendes Beispiel dafür. Der Druck war seinerzeit groß. Die Medienanstalten orakelten schon von Neuwahlen, Weimarer Verhältnissen und den Niedergang der politischen Kultur. Wenn sich die Sozis dagegen aussprechen würden, dann wäre es mit dieser Partei endgültig aus. Denn bei Neuwahlen würde der große Einbruch kommen; die Wähler würden dann einsehen, dass diese Partei schwer an Verantwortungslosigkeit leide. Überall las man deshalb vorab, wie das Votum auszufallen habe. Es gab kein Deuteln an der allgemeinen Erwartungshaltung. Geschworene werden bei Justizfällen, die die Medien schwer beschäftigen, während ihrer »Einsatzzeit« isoliert und von der Öffentlichkeit separiert - um nicht beeinflusst zu werden. Man müsste den Entscheidern im Rahmen dieser neuen »Wir-fragen-euch-vorher-Mode« der SPD eigentlich auch jegliche Zeitung vorenthalten.

Die SPD besteht noch immer zu einem Gutteil aus Personen, die den Schröderianismus erlebt haben. Und die Parteispitze setzt sich aus Leuten zusammen, die aktiv in die rigorose Durchsetzung der Agenda 2010 verwickelt waren. Allen voran der heutige Vorsitzende. Er führt sich zuweilen genauso arrogant auf, wie sein damaliger Boss. Schreit »Basta!« und merkt dann, dass er das gar nicht mehr braucht. Irgendwann war Tauwetter angesagt, Erpressungsversuche und Drohungen waren nicht mehr nötig. Man wollte sich ja auch vom alten Kurs abheben. Und man hatte begriffen, dass die Parteibasis indes so paralysiert ist von den vielen Alleingängen der Spitze und von der Preisgabe letzter sozialdemokratischer Werte, dass man die Mitglieder durchaus unbequemen Fragen aussetzen konnte. Sie würden bei sachgerechter medialer Vorberichterstattung schon alles absegnen, was man ihnen vorlegt. Da ist so viel Resignation und Fatalismus, dass man keine Überraschungen fürchten musste. Kein Wunder, denn jede innere Opposition gegen Schröder wurde medial unter Beschuss genommen. Das hat geprägt. Hätte Schröder damals nicht »Basta!« sondern »Wollt ihr die Agenda überhaupt?« gerufen, vielleicht sähe es heute anders aus.

Aber so ist der Postschröderianismus eine innerparteiliche Ära, in der durch die Vergangenheit so viel rebellische Substanz, so viel freidenkerische Chuzpe und so viel linke Ansätze zerstört wurde, dass man jetzt kein »Basta!« mehr braucht. Jetzt lässt man mitreden. Sie werden eh mitziehen. Wenn nur genügend Gazetten drucken, dass CETA und TTIP die letzte Ausflucht sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben, dann werden schon positive Parteibeschlüsse dabei herauskommen.

Hier weiterlesen...

Die Entente is sischaa

Samstag, 6. Dezember 2014

Ich weiß nicht, ist das nun Mut, Dummheit, Gewitztheit oder Respektlosigkeit, was sich diese Kamarilla da so leistet? Der eine reißt Gedenkveranstaltungen zum Weltkrieg an sich, um für Militäreinsätze zu werben. Und die andere tritt beim Geburtstag der Rentenversicherung auf, nur um zu räsonieren, dass die Rente nichts mehr taugt. Wenn diese Jubiläums-Crasher wenigstens Spaßguerilla wären ... Warum die Rente nichts mehr taugt, hat sie übrigens zu erwähnen vergessen.

Foto: dpa
Sie taugt nämlich nichts mehr, weil Leute wie Merkel behaupten, dass sie nichts mehr taugt. Seit Jahren. Die letzten vier Regierungen haben alles dafür getan, dass sie nichts mehr taugt. Sie haben das Vertrauen in das Umlageverfahren mit allen Mitteln untergraben. Blüm erklärt schon seit vielen Jahren, dass der Vertrauensbruch gewollt ist. Jetzt hat er es abermals gesagt, aber die Zeitungen machen daraus nur eine Nachricht nach der Art: »Jetzt hats der Alte endlich auch kapiert. Von wegen die Rente is sischaa!« Als er den Spruch im Arbeitsschurz an eine Litfaßsäule klebte, wusste er schon, dass sie es nur ist, wenn das Vertrauen stimmt. Deswegen ja die ganze Aktion. Denn ohne Vertrauen geht nichts. Keine Rente, keine Versicherung, kein Währungssystem. Ehen mögen zwar ohne auskommen. Volkswirtschaften allerdings nicht. Der Alte hat es also nicht etwa endlich kapiert, er sagt nur, was er immer schon gesagt hat und wovor er als Arbeitsminister noch warnte.

Tja, aber zu Herzen genommen hat man sich Blüms Worte nie. Vergrault haben sie ihn. Und deswegen kommt die Kanzlerin auf die Bühne und sagt, die Rentenversicherung taugt nichts mehr. Und kriegt Applaus. Sie sagte, sie nütze nur noch ein bisschen, wenn man sie privat ergänzt. Diese Ewiggestrige hat noch immer nicht kapiert, dass die Riester-Rente ein Platscher in die Kloschüssel war, ein völlig unlogisches und kostenintensives Konzept, von dem nur die private Versicherungsbranche profitierte. Selbst die einst reformwütigen Mittelschichten haben doch heute begriffen, dass Privatisierungen nichts außer Scherereien bringen. Das Vertrauen, das die politischen Entscheider seit vielen Jahren in die Altersvorsorgezulagen der Riester-Rente schießen, sollten sie lieber rein auf die Umlagefinanzierung verlagern. Das dürfte günstiger und nachhaltiger sein. Dass Finanzprodukte nicht im luftleeren Raum hängen und daher sicherer seien, hat die Finanzkrise doch als Seemannsgarn entkräftet. Gelernt haben sie nichts. Die Entente aus Finanz und Politik is sischaa.

Aber nein, diese Frau muss ja lieber frech aufs Podium steigen und das Geburtstagskind mit Torte bewerfen. Das nennt man dann heutzutage »unbequem sein«. Wir leisten uns eine ganze Menge solcher Typen, die sich unbequem durchs Leben schmarotzen. Das ist aber eine andere Sache, darüber bald mal mehr. Es ist doch so: Die Lebenserwartung steigt ja nach wie vor. Jedenfalls für die Gutbetuchten. Bei Arbeitslosen, prekär Beschäftigten und Malochern stagniert die Lebenserwartung schon lange. Oder geht zurück. Merkel aber kommt aus der Schicht derer, die älter werden können. Und keine Rente nötig haben. Wenn sie in einigen Jahren ihren 125. Geburtstag feiert, dann trete ich auf und sage laut, dass diese Frau nichts taugt. Ich crashe den müden Verein. Dann bin ich auch mal unbequem. So respektvoll macht man das heute. Den Kuchen lasse ich mir einpacken ...

Hier weiterlesen...

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP